Di, 25. August 2026 - 14:50

Entstehung des Kilchberger Schwingets: Das sonderbare ESAF 1926 in Luzern

Im Vergleich mit den beiden anderen regelmässig durchgeführten eidgenössischen Anlässen, dem ESAF und dem Unspunnen, ist der Kilchberger Schwinget deutlich jünger. Eine Reise in die 1920er Jahre und ein sonderbares Eidgenössisches in Luzern.

|
 FestaktEASF1926.jpg

Die Rangverkündigung am ESAF 1926 in Luzern.

Fotograf: Jubiläumsschrift "100 Jahre Luzerner Kantonaler Schwingerverband"

Die Entstehungsgeschichte des Kilchberger Schwingets ist eng mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1926 in Luzern verbunden. Wie weitläufig bekannt ist, bewegten den Kilchberger Gründer Dr. Emil Huber nämlich «gewisse unbefriedigende Vorkommnisse anlässlich des Eidgenössischen Schwingfestes in Luzern 1926» zur Einberufung des ersten Kilchberger Schwingets im September 1927. Doch was war geschehen?

Überfülltes Schwingfest
Das ESAF 1926 in Luzern stand eigentlich unter guten Vorzeichen – vielleicht zu guten. Bei hervorragendem Wetter strömten über 10 000 Zuschauer in die Luzerner Halde, wo nur 3000 Sitz- und 5000 Stehplätze bereitstanden. «Alles total überfüllt» ist in einem zeitgenössischen Festbericht zu lesen. Doch nicht die Rahmenbedingungen, sondern die schwingerischen Vorkommnisse dürften für den Juristen Dr. Emil Huber ausschlaggebend gewesen sein.

Letzte Paarung unter unklaren Vorzeichen
Am Sonntagnachmittag, dem 15. August 1926, muss in Luzern gelinde gesagt etwas Verwirrung und Unzufriedenheit geherrscht haben. Unter unklaren Vorzeichen traten sich der Berner Ernst Kyburz und der Zürcher Fritz Hagmann in der letzten Paarung des Kranzausstichs gegenüber. Diese Unklarheit wurde im «Bund» vom 16. August 1926 wie folgt beschrieben: «Der letzte Gang zwischen Ernst Kyburz und Fritz Hagmann schafft eine unklare Lage, da man nicht weiss, ob die beiden um den ersten oder um den zweiten und dritten Platz kämpfen.» Die Geschichte dieser Paarung ist schnell erzählt. Fast 20 Minuten duellieren sich die beiden, wobei kein Sieger gefunden wird und man beim Publikum kein grosses Gefallen findet.

Ein König, der nicht im Schlussgang stand
Auf diesen Gestellten folgte noch mehr Verwirrung: So verkündete man nach dem siegerlosen letzten Gang eine zehnminütige Pause, auf die ein «Spezialausstich» zwischen den vier bis dahin Punktehöchsten folgen sollte. In diesem Spezialausstich, so die allgemeine Erwartung, sollte der eigentliche Schwingerkönig ermittelt werden. Die zehnminütige Pause wollte das Kampfgericht zur Beratung nutzen. Doch aus zehn Minuten wurde eine Stunde und schliesslich entschied man sich, dem angekündigten Spezialausstich nicht Folge zu leisten. Der nach acht Gängen mit 76,75 Punkten führende Genfer Henri Wernli wurde zum Schwingerkönig proklamiert.

Kritik wurde laut
Nicht nur auf dem Schwingplatz, sondern auch in den Medien wurden die Vorkommnisse rund um die Vergabe des Königstitels in der Folge Thema. So wurde im Festbericht der Neuen Zürcher Zeitung wie folgt resümiert: «In ehrlich schwingerischem Sinne wurde der Schwingerkönigstitel nicht vergeben; es muss dem Kampfgericht die Schuld zugeschoben werden; nur der zuerst angekündete letzte Spezialausstich [...] hätte endgültig den wahrhaftigen Schwingerkönig zutage gefördert.» Im Bund wurde die Stimmung in Luzern wie folgt beschrieben: «Die Preisverteilung erst bringt Ruhe in die erregten Gemüter.»

In einem Jahr von der Idee zur Durchführung
Auch Dr. Emil Huber war bekanntlich wenig begeistert von den Vorkommnissen am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Luzern. Bereits im folgenden Jahr rief er auch deshalb den Kilchberger Schwinget ins Leben. 

Kilchberger Serie im SCHLUSSGANG
In der Print-Ausgabe vom SCHLUSSGANG blickten wir seit Januar 2026 auf den Kilchberger Schwinget 2026 voraus, im Rahmen dieser Serie erschien auch dieser Bericht. Als Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt werden in den kommenden Tagen alle Historien-Berichte kostenlos online aufgeschaltet. 

Nichts mehr verpassen? Löse jetzt dein SCHLUSSGANG-Abo! 


Teilen Sie Ihre Meinung


Verknüpfte Anlässe


Jetzt Aktuell

Alle anzeigen